Der politische Aschermittwoch der SPD Ursensollen im Gasthaus Reif war auch in diesem Jahr sehr gut besucht. Bei zünftiger Musik der „Salleröder Boum“ und leckeren Fischgerichten nutzten viele Gäste die Gelegenheit, sich über kommunale Themen auszutauschen und die Kandidatinnen und Kandidaten persönlich zu erleben. Vier Reden – von Ortsvereinsvorsitzendem Daniel Reichenberger, Landratskandidat Michael Rischke, Bürgermeisterkandidat Norbert Mitlmeier und der Landtagsabgeordneten Nicole Bäumler – prägten einen abwechslungsreichen Abend zwischen Rückblick, Kritik und politischen Perspektiven.
Solidarität und neue Mitglieder im Ortsverein
Den Auftakt machte Vorsitzender Daniel Reichenberger, der den politischen Aschermittwoch als Ort klarer Worte und sozialdemokratischer Haltung verstand. Für ihn bedeutet Tradition nicht Stillstand, sondern Verantwortung: „Gemeinsam anpacken, wenn sich die Welt verändert.“ In seiner Rede ging er besonders auf gesellschaftliche Debatten rund um Arbeit und Teilzeit ein. Rund 40 Prozent der Beschäftigten arbeiteten inzwischen in Teilzeit – ein Umstand, der oft vorschnell bewertet werde. „Teilzeit ist für viele Menschen kein Lifestyle, sondern Realität“, betonte Reichenberger. Sie ermögliche Familie, Pflege und Gesundheit und verdiene daher Respekt statt Abwertung. Wer Menschen gegeneinander ausspiele, löse keine Probleme, sondern verschärfe sie.
Ein besonderer Moment des Abends war die Neuaufnahme von Michael Schlereth in den Ortsverein. Unter Applaus überreichte Reichenberger das rote Parteibuch und sprach von einem Symbol der Zusammengehörigkeit: „Lasst uns laut sein, wenn es nötig ist, mutig sein, wenn neue Ideen gefragt sind – und solidarisch bleiben, gerade dann, wenn es schwierig wird.“
Rückblick auf sechs Jahre Kommunalpolitik und Ziele für die Zukunft
Bürgermeisterkandidat Norbert Mitlmeier zog eine ausführliche Bilanz der vergangenen Wahlperiode. Wahlkampf sei ein wichtiger Bestandteil der Demokratie, gerade in einer Zeit, in der in vielen Gemeinden kaum noch Kandidaten anträten. In Ursensollen hingegen gebe es drei Listen mit insgesamt 48 Bewerberinnen und Bewerbern – ein Zeichen lebendiger kommunaler Politik.
Mitlmeier zog anschließend eine Bilanz der vergangenen sechs Jahre Kommunalpolitik und wurde dabei deutlich. Die SPD-Fraktion habe zentrale Projekte vorangebracht – vom Kläranlagenkonzept über Jugend- und Kulturarbeit bis hin zu klimafreundlichen Baugebieten, Nahwärmelösungen und der Verbesserung des Nahverkehrs durch den geplanten Rufbus. Gleichzeitig übte Mitlmeier scharfe Kritik an der CSU. In deren Werbematerial erkenne er keine klaren Ziele für die Gemeinde: Die CSU lege sich nicht fest und bleibe inhaltlich vage. Aktionen wie die Verteilung von Wetterkerzen oder Palmbüschl haben mit kommunalpolitischen Zukunftsfragen wenig zu tun. Auch bei wichtigen Projekten wie dem 3D-Planetarium oder dem KUBUS habe die CSU wiederholt dagegengehalten, obwohl beide Einrichtungen heute Aushängeschilder der Gemeinde sind.
Michael Rischke stellt sich als Landratskandidat vor
Michael Rischke nutzte die Gelegenheit, sich als Kandidat für das Amt des Landrats im Landkreis Amberg-Sulzbach vorzustellen. Als Kreisvorsitzender der SPD und Gemeinderat in Ursensollen wolle er den Landkreis aktiv gestalten statt nur verwalten. „Gute kommunale Politik darf sich nicht damit zufriedengeben, den Status quo zu verwalten – sie muss gestalten und die Menschen in den Mittelpunkt stellen“, erklärte er. Verlässliche Infrastruktur, gute Bildung, bezahlbares Wohnen und eine starke medizinische Versorgung seien zentrale Anliegen.
Nicole Bäumler setzt starke Akzente in der Landespolitik
Die Hauptrede hielt die Landtagsabgeordnete Nicole Bäumler, die mit einer emotionalen und zugleich inhaltlich dichten Ansprache den Ton des politischen Aschermittwochs traf. Als ehemalige Lehrerin legte sie den Fokus auf Bildungspolitik und stellte konkrete Vorschläge der SPD-Landtagsfraktion vor. „Wenn Söder sagt, Bildung sei unser wichtigster Rohstoff, dann darf es nicht beim Slogan bleiben – wir brauchen mehr Förderlehrkräfte, digitale Endgeräte in der Lernmittelfreiheit und echte Entlastung für Lehrkräfte“, sagte Bäumler unter Applaus.
Kritisch äußerte sie sich auch zum politischen Stil der Staatsregierung. Ministerpräsident Markus Söder greife stark in die Arbeit der Ministerien ein und lasse eigenen Ministern wenig Spielraum. Auch der Umgang mit Kirchen wurde thematisiert: Während sich Söder öffentlich als Verteidiger des christlichen Abendlandes inszeniere, reagiere er empfindlich auf Kritik aus den Kirchen. Zudem kritisierte Bäumler Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der sich aus ihrer Sicht nicht ausreichend für den Erhalt des Rohrwerks Maxhütte eingesetzt habe.
Ausblick auf die Kommunalwahl
Zum Abschluss des Abends rief der Ortsverein zu einem engagierten Endspurt im Wahlkampf auf. Leider haben nicht alle Wählerinnen und Wähler den Informationsflyer erhalten, da dieser von der Post nicht zuverlässig verteilt wurde. Alle Inhalte, Ziele und Kandidatinnen und Kandidaten zur Gemeinderatswahl sind deshalb online abrufbar unter: https://spd-ursensollen.de/wahlen/gemeinderatswahl/